In der laufenden Woche (KW 40 2015) ist mein Kursthema, dass ich in fast allen Kursen angebe, (Gott-) Vertrauen.

Bhakti Yoga

(c) Floydine / fotolia.com

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Auch im Hinblick auf neue Kursteilnehmer ist es mir noch enmal wichtig darauf hinzweisen, dass Yoga zwar keine Religion ist, aber Yoga ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass es eine übergeordnete Ebene gibt. Ralph Skuban nennt sie poetisch die schöpferische Quelle alles Seins. In den für mich und meinem Yogaverständnis wichtigen Yoga Sutra heißt es im Sutra 1.23: „ishvara pranidhanad va“. In einer gängigen Übersetzung etwa: „Durch die Hingabe an Gott kommen die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe“. Diese und weitere Übersetzungen habe ich ans Ende des Beitrages gesetzt – falls sich jemand über die unterschiedlichen Sichtweisen zu so einem Sutra informieren möchte. Für die Yogapraxis ist wichtig festzuhalten, dass in den Grundlagentexten keine Aussagen darüber gemacht werden, wer oder was Gott oder die Götter sind. Aber die Übersetzter / Kommentatoren die ich gelesen habe, gehen von einem Gott / einer schöperischen Quelle des Seins aus. Entscheidend für die Praxis ist, dass Yoga mir die Freiheit gibt, meinen Glauben zu leben. Eben weil Yoga hier nicht festgelegt ist, kann ich meinen Glauben auch mit meiner Yogapraxis verbinden. Es gibt auch eine Yogarichtung, die sich ganz auf dieses Thema ausrichtet. Der Yoga der Hingabe, Bhakti Yoga.

Das soweit nur am Rande. Entscheidender für die Yogapraxis für die ich stehe ist, das Glaube offenbar ganz entscheidend helfen kann, mit dem Leben gut klar zu kommen. Ob man bei den Glücksforschern oder in Beiträgen zur „Resilienz“ nachsucht. Glaube, Religiösität und Spiritualität wird immer wieder (wenn auch oft nur als „weicher Faktor“) genannt. Übrigens scheint auch überhaupt ein Glaube, ein fester emotionaler Anker, der nichts mit Religion zu tun hat, hier hilfreich zu sein.

Vertrauen üben

Nun finde ich es eher schwierig, Glaube in einer Kursstunde, in einer gemeinsamen Yogapraxis, zu vermitteln. Dazu ist jeder Glaube viel zu individuell, wie auch die Gründe von „Nicht-Glauben“ bzw. „nicht-Glauben-können“ nicht über einen Kamm geschert werden. Aber wir können in der Yogapraxis mit und an andernen Dingen üben, die eine Voraussetzung von Glauben ist. Vertrauen nämlich.

In den Kursstunden bleiben wir weitgehend im Kreis von Körperübungen, im Hatha-Yoga. Die Voraussetzung dabei ist die Idee, dass Körper, Geist und Lebensernergie (prana) miteinander verbunden sind. Das, was wir fühlen und denken hat seinen Widerhall auch im Körper bzw. Körperlichen. Sei es als Haltung, als Anspannung oder auch Entspannung, sei es im Atem. Wenn dir an Vertrauen fehlt, wenn es erschüttert ist, dann ist in der Sprache des Yogis dein prana unruhig. Und ganz gleich, was du darunter verstehst. Es wirkt sich auf die Atmung aus, die z.B. in der Tendenz unruhig ist. Die Körperhaltung wirkt oft eingefallen und nicht stabil. Der Körper ist verspannt. Der Geist ist unruhig und es fehlt an der Fähigkeit sich einzulassen. Wenn man selber in der (angeleiteten) Praxis ist merkt man das gut daran, ob man in der Übung ist oder ob man im „Außen“ steht.

Nun gibt es sicher viele Gründe, warum man in der Praxis im „Außen“ bleibt. Aktuelle Sorgen oder akute Probleme lenken natürlich auch immer wieder ab. Wenn es dir aber sozusagen als Prinzip nicht möglich ist, dich ganz auf die Übungen einzulassen, dann ist fehlendes Vertrauen ist ein häufiger und gewichtiger Grund. Und dabei ist nicht das Vertrauen zum Lehrer gemeint (sonst wärest du wohl kaum regelmäßig dabei). Es ist das tief im Inneren liegende Selbst-Vertrauen.

Die Praxis

unterstützte Rückbeuge

unterstützte Rückbeuge
(c) Elsie Escobar / flickr.com unter cc

In dieser Woche sind Übungen aus drei Themenkreisen deutliches Thema in den Kursen. Einmal sind es die Öffnungen des Brustraumes mit mehr oder weniger ausgeprägten Rückbeugen. Hier geht es im übertragenen Sinne darum, sein Herz zu öffnen. Das ist eine Grundlage von Vertrauen. Fähig zu sein, sein Herz, seine Liebesfähigkeit, seine Bereitschaft sich zu öffnen, zu teilen. Mit Rückbeugen muss man vorsichtig umgehen. Nicht nur, um den Rücken zu schützen. Wenn Ich begegne mir„als Kurzform für eine gute Yogapraxis ein wichtiges Thema im Themenkreis der letzten Woche war … diese Begegnung muss auch gut gestaltet werden. Sie muss behutsam und liebevoll sein. Es soll nicht passieren, dass man mit den eventuell ungeliebten und verstörenden Faszetten seiner eigenen Person unkontrollierte Bekanntschaft macht. Rückbeugen sind oft Haltungen, die die innere Begegnung fördern. Darum sind sie vorsichtig und angemessen zu üben.

Der zweite Themekreis sind Gleichgewichtsübungen. Sie bringen wirklich jede/n immer wieder an den Rand – und das spielerisch und wie ich hoffe immer wieder mit Freude. Ich kenne wirklich niemanden der nicht mal aus vrikshasana (dem Baum) oder einer der sonstigen einbeinigen Variationen wie den Krieger III (virabhadrasana) „herausfällt“. Die übertragene Idee ist, dass hier das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten angetestet werden kann. Und wenn ich mit meinen Dysbalancen auf der Matte gut umgehen lerne, kann das vielleicht helfen auch die Dysbalancen neben der Matte im normalen Leben anders anzugehen.

Shavasana – die Entspannungsphase am Ende der Stunde. Hier geht es um die praktische Übung des Loslassens, wenn in der Stille geübt wird, aber oft auch des sich Einlassens, wenn es z.B. um einen geführten Body Scan geht.

Ein (Selbst-)Test

Es gibt viele mehr oder wengier hilfreiche Umfragen und Tests in den Weiten des WWW. Den Fragebogen zur Lebensorientierung finde ich allerdings sehr gut, auch um herauszufinden, was ich selber an „helfenden“ Lebenseinstellungen mitbringe. Der Fragebogen orientiert sich an Aaron Antonovskys Modell der Salutogenese.

 

Verschiedene Übersetzungen von ishvara pranidhanad va:

Für die eigene Beschäftigung / Meditation.

Sieben Übersetzungen von Sutra 1.23 „ishvara pranidhanad va“

  • Oder durch Hingabe an Gott (kommen die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe) [Bäumer].
  • Eine regelmäßige Gebetspraxis, die sich mit dem Gefühl der Hingabe an Gott verbindet, ermöglicht es sicherlich, den Zustand von Yoga zu erreichen [Desikachar].
  • Oder man erreicht die kognitive Versenkung durch totale Hingabe an Gott [Govidan].
  • Oder durch Hingabe an Ishvara [Sriram].
  • Oder (Citta wird gezügelt) durch vollkommen Hingabe an Gott [BKS Iyengar].
  • Oder durch Hingabe an Gott [Taimni].
  • Oder man erreicht asamprajnata samadhi, indem man sich Ishvarah, der schöpferischen Quelle allen Seins, hingibt (ishvara-pranidhana) [Skuban].